You're at Home Baby!

Heimkommen

Nachdem ich nun in Kuala Lumpur, der Endstation dieser Reise angekommen war musste ich natürlich (1) mich und (2) die Zwetschke auch wieder irgendwie heimbringen. Die letzten Wochen der Reise war ich ziemlich beschäftigt mit dem Versuch, eine günstige Möglichkeit zu finden um das Motorrad wieder nach Österreich zu bringen. Warum die Zwetschke zurück musste? Das hat mit dem Zoll zu tun, und der relativ hohen Kaution die ich beim ÖAMTC hinterlegen musste, der im Falle des Nichtwiederzurücknachösterreichbringens der Zwetschke sich diese Kaution wiederum bei meiner Bank abholen und an das Zollamt überweisen würde. Ich hab’s mir durchgerechnet: die hohen Kosten für den Heimtransport sind immer noch günstiger als die ÖAMTC/Zoll/Kaution-Variante. Außerdem hätte ich ja dann kein Motorrad mehr ;-)

Die Zwetschkenverfliegung
Ich entschied mich schließlich für Bernd von Dietrich Logistic in Kuala Lumpur, der mir ein vergleichsweise gutes Angebot für den Zwetschken-Heimflug machte. Wir trafen uns in einer Lagerhalle im Süden KLs um die Zwetschke in eine maßgeschneiderte Holzkiste zu verpacken. Shah, den ich ein paar Tage davor kennengelernt hatte, traf uns dort und half mit die Zwetschke zu zerlegen und auf die Bodenplatte der Kiste zu hieven. Nach ein paar Stunden Arbeit war die Transalp möglichst klein zerlegt und gut verpackt, dass sie hoffentlich sicher in Deutschland ankommen würde. Danke an Bernd und seinem Team für die flotte und kompetente Bearbeitung!

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Bernd und die Verpackungskünstler nachdem wir die Zwetschke so klein wie vertretbar möglich zerlegt haben. Jeder Zentimeter spart Kosten beim Transport.

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Fast fertig verpackt. Goodbye Zwetschke!!

 

Nachdem alles verpackt war bot mir Shah an, noch einen Halbtagesausflug nach Malakka zu machen, was ich gerne annahm. Wir düsten in seinem Pickup die zwei Stunden gen Süden nach Malakka, einer einst bedeutenden Handelsstadt an der Straße von – Überraschung! – Malakka. Ansonsten kann ich nicht viel über die Stadt erzählen, wir wanderten einfach durch die sympathischen, wenn auch etwas touristischen Straßen der Altstadt. Ich war einfach hundemüde von der Organisation und Rackerei für den Motorradtransport.

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Chinesisches Neujahr in chinesischem Tempel in Kuala Lumpur.

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Chinesischer Tempel ohne chinesisches Neujahr in Malakka.

 

An meinen letzten Tagen in Kuala Lumpur plagte ich mich noch mit dem übertriebenen Sicherheitskonzept von PayPal herum, das mir verweigerte die restlichen Kosten für den Motorrad-Transport zu bezahlen. Warum? Weil ich mich in Malaysia einloggte und in Malaysia war und eine Zahlung nach Malaysia in malaysischer Währung veranlassen wollte – sehr verdächtig, oder?. Das führte dazu, dass mir in der Nacht mein Bruder in Österreich via PayPal aushelfen musste und ich mir unter höchstem Zeitdruck von meinen Freunden Fabian und Lara die letzen 15 Ringgit ausborgen musste um den Restbetrag zu bezahlen, weil ich mein Bankomatlimit schon erreicht hatte. Für Außenstehende muss die folgende Begegnung höchst dubios ausgesehen haben: um Mitternacht tauschten Bernd und ich an einer Straßenkreuzung in Downtown Kuala Lumpur meine letzten Scheine gegen die Frachtpapiere der Zwetschke. Danke für die Geduld und das Verständnis, Bernd! So, jetzt ist aber alles erledigt… dachte ich.

Heimflug
Ich selbst flog zwei Tage nach dem geplanten Abflugsdatum der Zwetschke um 6 Uhr früh von Kuala Lumpur nach Frankfurt. Die Route ging wunderbarerweise genau über den Zentral-Iran, der Ost-Türkei und entlang der Schwarzmeerküste. Ich flog nun also genau über die Regionen, durch die ich Monate zuvor gefahren bin. Beim Anblick der schneebedeckten Zagros Mountains im Iran und der ebenfalls weißen Schwarzmeerküste kilometerweit unter mir wanderte ich in Gedanken nochmal dorthin. Ich konnte es kaum glauben, dass ich da wirklich überall herumgefahren bin. Meine Gedanken vagabundierten umher. Ich dachte an die ersten Tage allein unterwegs, die anfängliche Nervosität beim wild zelten, den Grenzübergang zum Iran, die unglaubliche Gastfreundschaft und die wunderschönen Landschaften. Ich empfand (und empfinde immer noch) eine tiefe Dankbarkeit für all diese Erlebnisse.

Fast zuhause!

Fast zuhause!

No Zwetschke today
Der weitere Plan sah so aus: Ich würde nach Frankfurt fliegen, die Zwetschke nach München, wir würden gleichzeitig in München ankommen, ich würde sie in die Arme nehmen (um sie wieder zusammenzuschrauben) und damit nach Salzburg fahren. Aber natürlich kam es wiedermal anders: in Frankfurt angekommen erhielt ich ein Email von Bernd der mir mitteilte, dass die Kiste in KL hängen geblieben ist. Chinesisches Neujahr und IT-Zusammenbruch am Flughafen in Kuala Lumpur. Wann sie ankommt? Frühestens in zwei Wochen. Damn.
Also fuhr ich – ohne Motorrad, versteht sich – gleich weiter nach Salzburg wo ich von Lisi, meinem Bruder Hannes und meinem Vater am Bahnhof abgeholt wurde. Wahnsinn. Ich bin wieder daheim.

Heimkommen. Ankommen.
Nach ein paar schönen Tagen im Salzburger Land und Oberösterreich bei meiner Familie fuhr ich mit Freunden im Auto nach Wien. Aber anstatt mich zu unserer Wohnung zu bringen, bog Julian wenige Kreuzungen vorher ab und — was ist da auf der Straße los? Im ersten Moment dachte ich an ein Straßenfest oder eine kleine Demo, dann erkannte ich die ersten Gesichter! Ich war mehr als sprachlos: Lisi hatte für mich eine Willkommensfeier mit meinen Freunden organisiert! Und jetzt warteten alle auf der Straße und applaudierten, lachten, weinten und schrien. Ich konnte es nicht glauben! So viele Freunde waren angereist um mich willkommen zu heißen! Und auf dem riesigen selbstgemalten Plakat stand: „You’re at home, baby! F4M“ – die einzelnen Buchstaben bestanden aus den Flaggen aller Länder meiner Reise, F4M war mit Friends for Martin untertitelt.
Ich wusste wieder warum ich nach Hause gekommen war.

You're at Home Baby!

You’re at Home Baby!


Hier ist mein Reisebericht offiziell zu Ende. Ich bedanke mich ganz ganz herzlich bei allen, die über diesen Blog meine Reise mitverfolgt haben, über die vielen Rückmeldungen und motivierenden Worte.
Ursprünglich war geplant, auf diesem Blog hauptsächlich Fotos zu veröffentlichen und ein paar Worte dazu zu schreiben. Auch wenn es nicht immer einfach war das Erlebte und die vielen Eindrücke in Worte zu fassen überraschte es mich selbst ziemlich, dass mir das Schreiben unterwegs sehr viel Spaß machte (und das wirkte sich wohl auch auf die Länge der Artikel und auf deren Veröffentlichungszeitpunkt aus). Ich hätte auch nie gedacht, dass so viele Menschen meine Reise auf diese Art mitverfolgen würden. Deshalb nochmal: Danke an alle treuen LeserInnen. Es war mir ein Volksfest.


Übrigens: ich plane derzeit eine kleine Diavortrags-Reihe (mit ein paar Videos) meiner Reise und möchte noch in diesem Winter je einen Vortrag in Wien, St. Pölten und im Salzburger Land halten. Sobald ich genaueres weiß, werde ich diese Seite hier updaten. Also: schaut doch wieder mal vorbei (oder fragt mich persönlich).

2 thoughts on “Heimkommen

  1. Schön, dass du wieder wohlbehalten zurück bist 🙂 ! Danke für deinen stets interessanten Blog und wir freuen uns auf deinen Vortrag ! Lg dei kleine Schwester 😉

  2. Hallo Martin, schön, dass du dir auch noch die Zeit genommen hast, einen Abschlussbericht zu schreiben. Es ist einfach berührend wie du willkommen wurdest. Und wie immer ist dein Bericht spannend und kurzweilig zu lesen. Ich freue mich dass du so viele tolle Erlebnisse und Erfahrungen machen durftest! Und ich bin sehr, sehr dankbar, dass du wohlbehalten wieder nach Hause gekommen bist!! Riesig freue ich mich schon jetzt auf deinen Vortrag – ich bin dabei!!
    Alles Liebe, deine Mum

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