Gemeinsam durch Thailand

Die meisten von euch dachten wahrscheinlich schon, dass ich – jetzt wo ich wieder wohlbehalten zurück in der Heimat bin – nicht mehr weiter schreiben werde. Manche Geschichten wurden bereits persönlich erzählt, aber ich möchte meine Reise auch hier noch fertig erzählen. So viel ist noch nicht gesagt! Also, hier ist er nun endlich, der nächste Bericht. Viel Spass!

Nach zig Formularen und Stempel an der thailändischen Grenze und einer kleinen Testfahrt mit dem Elektroroller der Grenzbeamten fuhr unsere 7er Gruppe (Michelle und Jaime, Linda und Harray, Peter, Kenny und ich) in der Dunkelheit noch zum sagenumwobenen Tesco Supermarkt in Mae Sot. Schon seit Tagen schwärmten wir immer wieder davon, welche Berge an Leckereien wir dort kaufen würden. Es gibt sogar ein Video auf Youtube, in dem jemand gefilmt hat was man dort alles kaufen kann. Was gibt es denn dort so besonderes, fragt ihr euch? Naja – alles das, was ein großer Supermarkt halt so verkauft. Wir aber hatten seit Monaten keinen Laden mehr gesehen, der auch nur annähernd an das Konzept eines Supermarktes rankommt. Im Tesco war ich dann allerdings derart überfordert von der Auswahl, dass mich dieser Konsum-Tempel mehr deprimierte als eurphorisierte. All diese Waren, all dieser Überfluss, diese Sauberkeit! Wir kamen uns vor wie Außerirdische in unseren Motorradkombis, überzogen mit Staub von tausenden Straßenkilometern quer durch Asien. Einige Shopper fotografierten uns sogar verstohlen mit ihren Handy-Kameras. Es muss ein eigenartiges Bild abgegeben haben, wie ich da einigermaßen verzweifelt und überfordert vor dem 8 Meter langen Chips-Regal stand.

Überhaupt war ich sehr überrascht wie modern Thailand sich präsentiert. Große, gut ausgebaute Straßen mit viel zu großen Autos (ca 50% der Autos sind Pickup-Trucks) die viel zu schnell fahren, viele neue Motorräder auf den Straßen, große Supermärkte und internationale Fast-Food-Ketten. Ich hatte mehr das Gefühl in den USA zu sein als in einem fernöstlichen Land, und das mein ich nicht im Positiven. Naja.

Nach einem gemeinsamen Tag in Mae Sot, an dem wir (Michelle, Jaime, Peter und ich) unsere Körper mit einer Thai Massage und gutem Essen verwöhnten, trennten sich unsere Wege wieder. Ich fuhr nach Chiang Mai, wo am Heiligen Abend Lisi ankommen wird. Ich konnte es kaum erwarten sie nach all den Monaten wiederzusehen! Davor allerdings traf ich nochmal Peter, denn wir feierten noch ausgiebig seinen Geburtstag in den vielen Bars der Stadt, die aber leider alle wegen der Ausgangssperre der thailändischen Militärregierung um Mitternacht schließen. Offiziell zumindest.

Wiedersehen mit Lisi

Am 24.12. kam Lisi nachmittags in Chiang Mai an, wo ich sie natürlich vom Flughafen abholte. Irgendwie unglaublich – nach so vielen Kilometern, Ländern, Kulturen, Erlebnissen, Hochs und Tiefs wieder beisammen zu sein. So ganz real, nicht nur virtuell in Skype-Telefonaten. Wir verbrachten einen feinen Heiligen Abend gemeinsam, gingen gut essen, tranken Bier im Garten des Hostels und genossen unsere Gesellschaft.

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Chiang Mai

Lisi und ich verbrachen ein paar gemütliche Tage in Chiang Mai, der größten Stadt im grünen Norden Thailands. Wir besichtigten ein paar beeindruckende Tempel (Wat), die überall in der charmanten Altstadt Chiang Mais verteilt liegen. Mit der Zwetschke düsten wir zum Wat Phra That Doi Suthep am Berg Doi Suthep wenige Kilometer außerhalb Chiang Mais. Wir beschlossen, die vielen Eindrücke dieser buddhistischen Tempelanlage am besten bei Kaffee und Waffel zu verarbeiten. Diese Eindrücke endlich wieder mit Lisi teilen zu können fühlt sich sehr vertraut und gut an.

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Im Wat Phra That Doi Suthep

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Pai

Nach einer gemütlichen Woche in Chiang Mai zogen wir drei (Lisi, Zwetschke und ich) weiter in den Norden nach Pai. Die Straße dorthin ist Teil des berühmten Mae Hong Son Motorcycle Loop und führt über siebenhundertzweiundsechzig Kurven von Chiang Mai nach Pai. Ich hab nicht mitgezählt, aber Thais die sich aus dem Flachland in die Hügel rund um Pai trauen tragen gerne und mit Stolz T-Shirts mit Aufschriften wie „762 corners to Pai“. Mit dem voll beladenen Motorrad auf dieser Straße bei bestem Wetter durch die bewaldeten Hügel zu cruisen, was für ein Gefühl! Im laid-back Pai mieteten wir uns eine kleine Bambushütte und erkundeten von dort die Umgebung, die allerhand zu bieten hat. Wir besuchten und schwammen in Wasserfällen (wo wir Bekannte aus unserer Studienzeit trafen), erkundeten den Pai Canyon, der vor allem zu Sonnenuntergang eine wunderbare Naturkulisse bietet und fuhren zur 50km nördlich gelegenen Tham Lot Cave. Gemeinsam mit einem Guide und einem Biker-Pärchen, das wir unterwegs kennenlernten erkundeten wir die gewaltige Tropfsteinhöhle – teils zu Fuß, teils auf einem Bambusfloß. Zurück in Pai wurden wir von Nik, einem Ducati-fahrenden Österreicher der schon seit vielen Jahren in Thailand lebt, angesprochen und spontan zum Essen eingeladen – danke Nik, für das gute Essen und das nette Gespräch!

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Pai Canyon

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Sonnenuntergang überm Pai Canyon

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Der Autor dieser Zeilen am Pai Canyon

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Lisi meditiert (?!) zu Sonnenuntergang

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Stalagmiten (und -titen) in der Tropfsteinhöhle

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Tham Lot Cave

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Flöße in der Tham Lot Cave

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Hier ein Foto aus dem Louis-Katalog

 

Silvester im Krankenhaus

Lisi hatte anscheinend was falsches gegessen (schon am Vortag) und wurde von Magen-Darm-Problemen heimgesucht. Nachdem sich keine Besserung einstellte wurden wir von unserer Gastgeberin überzeugt ins Krankenhaus zu gehen. Also verbrachten wir zu Silvester ein paar Stunden im Krankenhaus von Pai, wo Lisi zum Glück ganz gut versorgt wurde (sprich: Infusion und Tabletten). Zu Mitternacht war Lisi zumindest soweit wiederhergestellt, dass wir unter tausenden fliegenden Laternen (was für ein Anblick!) und Donauwalzer (danke, youtube!) ein paar Schritte Walzer im nassen Gras vor unserer Bambushütte tanzen konnten. Willkommen 2016! Wenn du auch nur halb so gut wirst wie 2015, bin ich schon sehr zufrieden.

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Laternen am Silvesterhimmel

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Unsere Hütte in Pai

 

Auf zum Strand!

Im neuen Jahr düsten wir einmal quer durchs Land bis ans südöstlichste Ende Thailands. Am Weg stoppten wir in Sukothai, der (sehr) alten Hauptstadt Thailands, wo wir alte Tempelanlagen besichtigten und Zwetschke notgedrunken eine neue Batterie spendierten. Die Batterie beschloss nämlich spontan, sich von uns zu verabschieden – glücklicherweise aber genau als wir bei unserer Unterkunft angekommen waren und ich nur noch umparken wollte. Glück im Unglück. Ein freundlicher Tuktuk-Fahrer chauffierte uns einen halben Tag lang durch New Sukothai, danach hatte Zwetschke eine neue Batterie und schnurrte wieder als wär nix gewesen.

Leider mussten wir uns für unsere Zeit auf der Insel Koh Kood von Zwetschke trennen, weil die Fähre Motorräder in dieser Größenordnung nicht mitnehmen kann. Yum, die nette Besitzerin unserer Unterkunft in Trat, erlaubte uns die Zwetschke in ihrem Garten stehen zu lassen (wofür wir uns mit einer Flasche ihres bzw. aller Thai’s Lieblingsgetränk bedankten: Sangsom! ).

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Buddha in Sukothai

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Sukothai

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Wir waren auf einen Abstecher in Cambodia…

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Buddha chillaxed zum Sonnenuntergang

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Echte Biker

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Ein Blumenkranz schmückte die Zwetschke für Good Luck

 

„Koh Kood, oh Koh Kood du bist so guut“

Wir verbrachten etwa eine Woche auf der kleinen Insel Koh Kood: Acht Tage Sonne, Sand und Meer in der kitschig schönen Bang Bao Bay. Normalerweise wird mir nach ein paar Tagen am Strand schnell langweilig, aber hier hätte ich es sogar noch länger ausgehalten. Wir nächtigten in einer spartanisch eingerichteten Strandhütte direkt am Strand und fröhnten dem süßen Nichtstun.
Naja, fast nichts. Immerhin besuchten wir ein paar Wasserfälle und uralte Bäume, gingen Schnorcheln, Kajaken und machten regelmäßig typisch thailändischen Abendsport in Form von Singha-Flaschen-Heben. Nach den Strapazen der letzten Monate hatte ich – wenn man mich fragt – durchaus ein bisschen Easy Living verdient.
Am letzten Abend auf der Insel, den wir mit Hanni, unserer Schnorchel-Freundin aus Finnland bei gutem Seafood und Cocktails feierten, trafen wir sogar noch Ted Mosby. Vielleicht aber auch nicht – bis heute ist dieser Fall nicht restlos geklärt.

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Der Blick von unserer Hütte. Es gibt definitiv schirchere Orte.

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Einer der urururalten Bäume auf Koh Kood. Diese Bäume werden von den Thais verehrt und geschmückt.

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Wo ist Martin?

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Wasserfälle irgendwo im Wald

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Drei der Besten Dinge in Thailand: Ananas, Ananas, Ananas!

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„Unsere“ Bucht

 

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Die Brücke war so konstruiert, dass man bei Flut trotzdem zuerst durchs Wasser musste, um überhaupt auf die Brücke zu gelangen.

 

Zurück am Festland ging’s nach Bangkok, von wo Lisi zurück nach Wien flog. Wir verbrachten noch ein paar Tage mit Touri-Zeugs und Flanieren in dieser modernen und quirligen Metropole. Ich muss sagen, dass ich ganz froh bin, dass wir kein Zimmer in der Khao San Road sondern etwas außerhalb gebucht haben – diesen Disneyland-Backpacker-Wahnsinn habe ich beim Durchspazieren eigentlich ziemlich abstoßend gefunden. In den kleineren, viel angenehmeren Seitengassen haben wir uns wohler gefühlt und uns bei einem Straßencocktail mit einem alten Thai über seine Stadt unterhalten.

Bangkok

Bangkok war ein feiner Abschluss für unsere gemeinsame Zeit in Thailand. Es war sehr schön, das Erlebte wieder mit Lisi zu teilen und gemeinsam auf der Zwetschke durch fremde Landschaften und Kulturen zu tuckern. Für mich war es außerdem entschleunigend, nicht mehr ständig einen – wenn auch nur groben – Zeitplan verfolgen zu müssen um rechtzeitig in Myanmar zu sein. Damit konnten wir viel freier entscheiden, wie lange wir an welchem Ort bleiben wollen. Wenn man Schubladen bedienen mag hatte unsere Thailand-Zeit zwar wohl eher den Charakter eines Urlaubs als einer Abenteuerreise. Aber ich fand das zur Abwechslung recht angenehm: ich war eh schon urlaubsreif.

Lisi flog am 18. Jänner zurück nach Österreich, und für mich begann der letzte Abschnitt meiner Reise: Die letzten paar Tausend Kilometer bis Kuala Lumpur – wieder allein on the road.

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Wat Phra Kaeo in Bangkok

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Unglaublich großer liegender Buddha im Wat Pho, Bangkok

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Buddhas, diesmal lebendig

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Bangkok.

One thought on “Gemeinsam durch Thailand

  1. Lieber Martin!
    Danke dass du mich aufmerksam gemacht hast, dass dein letzter Bericht nun erschienen ist. So viele wunderbare Bilder, so interessant deine Berichte! Ich glaube, du profitierst noch lange von deinem abenteuerlichen „Ausflug“ auf dem Landweg nach Malaysia. Ich bin zutiefst dankbar, dass du diese große Reise ohne größere Schwierigkeiten machen konntest und dass du gesund und wohlbehalten wieder zurück bist.
    Ich bewundere deinen Mut, Martin.
    Bleib wie du bist und gestalte dein Leben!
    Alles Liebe, deine MUM

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